Sozial geht digital?!

26.11.2020

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Die eigene Zielgruppe über die Distanz zu erreichen ist für viele soziale Initiativen eine Herausforderung. Einige Projekte müssen auf Pause schalten, andere schaffen es ihre Arbeit digital fortzusetzen. Was macht eine erfolgreiche Strategie in Zeiten der Pandemie aus?

Wie schaffen es NGOs, Stiftungen und soziale Initiativen ihre Zielgruppen zu erreichen, wenn persönliche Treffen nur bedingt möglich sind?

In unserem Netzwerk wurden in den vergangenen Monaten viele Projekte dazu gezwungen, neue Wege zu finden, um Ihre Arbeit weiterführen zu können. Partizipieren lassen und ermächtigen – diese Ziele sind heute schwieriger durchzusetzen. Auch die Zivilgesellschaft hat in den vergangenen Monaten ihr Angebot soweit es geht auf online Plattforme umgestellt. Sie kommunizieren auf digitalen Kanälen mit ihrer Zielgruppe und versuchen von der Distanz Hilfe zu leisten. Allerdings gelingt die Umstellung nicht immer – vor allem, wenn praktisches „know how“ vermittelt werden soll, und wenn sensible Themen angesprochen werden, kommen digitale Möglichkeiten schnell an ihre Grenzen.

Wir haben mit Dr. habil. Ursula Holtgrewe, Bereichsleiterin für Arbeit und Chancengleichheit im ZSI (Zentrum für Soziale Innovation, Wien), mit Noémi Goulabert-Illényi (Print It Yourself!, Budapest) und Maria Rösslhumer (StoP-Stadteile ohne Partnergewalt, Wien-Margareten) darüber gesprochen, welche Herausforderungen das Home Office im zivilen Bereich mit sich bringt, und wie wir diese meistern. 

Das online und telefonische Angebot von StoP macht es möglich, Menschen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, weiterhin zu beraten. Überraschenderweise scheint die Möglichkeit, Probleme online besprechen zu können bei Männern sogar besser anzukommen als die persönliche Beratung. Es erweist sich aber unter Umständen kompliziert, vertraute Gespräche von zuhause aus, telefonisch zu führen und viele Klient*innen zögern, ihre persönlichen Probleme und Gedanken online Flächen anzuvertrauen. 

Netzwerken und Bekanntschaften zu pflegen ist ohne persönliche Begegnung besonders schwierig. Wenn ein persönliches Vertrauensverhältnis noch nicht entstanden ist, ist die Beratung im digitalen Raum eine Herausforderung. Als Zielgruppen, die durch digitale Mittel besonders schwer erreichbar sind, nannten die Teilnehmer*innen unter Anderem Kleinkinder, die wegen dem Umstieg auf Homeschooling nur noch durch die Eltern erreichbar sind, sozial benachteiligte Gruppen, Menschen mit Behinderung, ältere Menschen. Auch die Frage, wie Hilfesuchende über die neuen, online angebotenen Services informiert werden können, stellt eine Herausforderung dar. Dafür empfiehlt sich zu gut bewährten offline Mitteln zu greifen, wie Flyern, Aufhängern in Treppenhäusern und Gemeinschaftsräumen, sowie Mundpropaganda. Einige Projekte erzählten aus eigener Erfahrung, dass eine einmalige, persönliche Einschulung (natürlich unter Einhaltung der Abstandsregeln und mit MNS) sich langfristig nützlich zeigte. In vielen Fällen sind Mittel, wie Smartphone oder Tablet vorhanden, es fehlt aber das Wissen darüber, wie man die Apps der Organisationen bedient. Freiwillige Helfer*innen können die Applikationen herunterladen und (vor allem ältere Klient*innen und Menschen mit Lernschwierigkeiten) helfen einzuloggen und grundlegende Funktionen zu verwenden. 

Insgesamt ist die Hemmschwelle online Hilfe zu suchen etwas niedriger als bei persönlichen Treffen, diesen Vorteil können jetzt die Organisationen, die Hilfe anbieten, nutzen. Vor allem seelische Hilfe, Beratung sind durch Social-Media-Kanäle erleichtert. Wenn die Beratung im sozialen Milieu, oder in der Familie nicht gut gesehen wird, sind online Kanäle, wie WhatsApp populär. 

Nach dem Motto „weniger ist mehr“ sollen sich aber Projekte nicht unbedingt zu online Kommunikation gezwungen fühlen. Ein persönliches Telefonat kann unter Umständen mehr helfen als ein lang vorab geplantes Zoom-Meeting. Es ist nicht zu unterschätzen, dass im Non-Profit Bereich für die Umstellung wenig finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Die Ideen und die Eigeninitiative der Mitarbeiter*innen und Freiwilligen sind hier für den Erfolg ausschlaggebend. Das Ziel dieses Workshops war Projekte von einander inspirieren zu lassen. 

Hier geht es zu den Projektprofilen von Print It Yourself! und StoP-Stadteile ohne Partnergewalt, sowie zu einer Arte-Doku über Print It Yourself!

Text: Fruzsina Herbert