Ausschreibung zur SozialMarie 2020

Wir eröffnen die Ausschreibung zur SozialMarie zum 16. Mal und begeben uns erneut auf die Suche nach exzellenten sozialen Innovationen im mittel-osteuropäischen Raum. In den letzten 15 Jahren hat die SozialMarie außerhalb Österreichs in Ungarn, Tschechien und in der Slowakei gute Grundlagen für Zusammenarbeit geschaffen. Heuer wagen wir uns einen Schritt weiter und nehmen ganz Kroatien ins Einreichgebiet auf.

„Endlich ist ganz Kroatien bei der SozialMarie dabei. Bisher konnten nur Projekte einreichen, die nicht mehr als 300 km von Wien entfernt waren, jetzt sind doch einige neue Regionen dazugekommen. Innovative Projekte aus Kroatien, reicht ein!“

Wanda Moser-Heindl, Stifterin Unruhe Privatstiftung

Alle Informationen zur Ausschreibung: www.sozialmarie.org/de/ausschreibung  

 

Der Fußballverein Zagreb 041, der sich aktiv für die Integration durch Sport einsetzt, erhielt bereits im Mai einen 2.000 Euro Preis. Ab heuer bekommen Projekte aus ganz Kroatien eine Chance auf die SozialMarie. Branimir Šloser von Zagreb 041 erzählt im Gespräch mit unserer Koordinatorin für Kroatien, Ivana Perica, was die Innovation ausmacht.

Ivana Perica: Angesichts der festgefahrenen Regeln, die den professionellen Fußball bestimmen, der vorherrschenden Machthierarchien und Geldtransaktionen, die den Sport selbst in den Hintergrund rücken, was ist das innovative Element bei Zagreb 041? Wie holt ihr das Spiel und die Beteiligten – nicht nur die Fußballer, sondern alle, auch die Fans und die ganz normalen Zuschauerinnen und Zuschauer – wieder in den Vordergrund?

Branimir Šloser: Bei uns werden alle Vereinsmitglieder einbezogen: In Form von Arbeitsgruppen haben bei uns alle – Spieler und Spielerinnen, Trainer und Trainerin, Fans und Eltern der bei uns trainierenden Kinder – das gleiche Mitspracherecht, wenn es um Ideenfindung und Planung von zukünftigen Projekten und überhaupt um die Kursbestimmung des ganzen Vereins geht. Diese Arbeitsgruppen genießen hohe Autonomie, sodass sie ihre Entwicklung und Pläne ganz von selbst bestimmen. Soweit uns bekannt ist, gibt es in Kroatien keinen zweiten Fußballverein, der nach diesen oder ähnlichen Prinzipen funktioniert. Unser Handeln ist unser Ziel: Wir sind darum bemüht, das negative Bild, das fast alle von Fußball, den Fans und auch der Integration der Flüchtlinge haben, zu ändern. Mit unserem Beispiel zeigen wir, dass es auch anders geht.

IP: Wie geht ihr mit hate speech um, die offenbar nicht nur kroatischen Fußball negativ bestimmt, sondern an allen Stadien der Welt stillschweigend zugelassen wird?

BŠ: Von Anfang an, unermüdlich, treten wir offen und laut gegen alle Diskriminierungsformen ein. Das leitet unsere Arbeitsweise im Verein, aber es tut sich auch mehr als das. Hassrede, der wir bei Gegnervereinen und ihren Fans begegnet sind, wird bei uns konsequent zu Protokoll genommen. Wir haben es auch veranlasst, dass die Verantwortlichen bestraft wurden, was im Fußball, und zwar auf dem Niveau, auf dem wir spielen, wohl einen Präzedenzfall darstellt.

IP: Wie schätzt ihr eure Rolle und eure Wirkung im nationalen und internationalen Kontext ein?

BŠ: Wir netzwerken mit einer Reihe von verwandten Fußballvereinen aus Europa (Schottland, Italien, Deutschland, England). Was uns verbindet, ist der Kampf gegen die Diskriminierung und alle diese Vereine arbeiten mit und setzen eine aktive Beteiligung von benachteiligten Gesellschaftsgruppen ein. Diese Art der Zusammenarbeit können wir mit den Fußballvereinen aus Kroatien oder der Region nicht entwickeln, weil unseres Wissens verwandte Vereine derzeit noch inexistent sind. Dafür arbeiten wir aber mit zahlreichen und manchmal von ihrer Ausrichtung her recht unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen, die sich mit Themen wie Menschenrechte, Umweltschutz, humanitäre Hilfe und Religion befassen. In der Vielfalt dieser Partner und dieser Kooperationen sehen wir unsere Kraft. Außerdem sind wir mit benachbarten Schulen verbunden, die von den Vereinsmitgliedern besucht werden. Hier sind insbesondere jene Schulen zu nennen, die Flüchtlingskinder aufgenommen haben und deren Fachkräfte uns dabei helfen, die Entwicklung und das Wohlbefinden unserer Kinder zu verfolgen und ihnen so viel wie möglich beizustehen. Momentan entwerfen wir Pläne, wie unser Modell in andere Kontexte zu übertragen wäre. In diesem Sinne entwickeln wir eine zukünftige Kooperation mit einer Roma-Jugendorganisation.

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