Es liegt ein schwerwiegender Menschenrechtsverstoß vor, wenn in Österreich lebende Menschen von ihren Familien gewaltsam ins Ausland verschleppt werden. Die Betroffenen sind Kontrollen, Überwachung, Zwangsheirat und einer stark eingeschränkten Freiheit ausgesetzt. Eine Flucht oder die Suche nach Hilfe ist äußerst schwierig, zumal jeder Fall unterschiedliche Länder und Rechtssysteme betrifft, was komplexe rechtliche, sicherheitsrelevante und psychosoziale Herausforderungen mit sich bringt.
Nationales Kompetenzzentrum gegen Verschleppung
Projektträger: PeriFeri - Verein zur Förderung von Bildung, Beratung und Empowerment
Verantwortliche*r: Meltem Weiland
2026
Nominiert
AT
Zivilgesellschaft / Sozialwirtschaft
Soziales, Gesundheit
Recht, Gerechtigkeit
Im Mittelpunkt des Projekts steht ein umfassender, opferzentrierter Ansatz, der die Menschenwürde wahrt und die Betroffenen stärkt. Das Projekt fungiert als zentrale Koordinierungsstelle zwischen Behörden, ausländischen Vertretern und Schutzorganisationen. Es strukturiert grenzüberschreitende Prozesse und bündelt Informationen, wodurch entscheidende Lücken in nationalen und internationalen Unterstützungssystemen geschlossen werden, indem spezialisierte Beratung zu allen Aspekten – von der Risikobewertung bis zur sicheren Rückkehr – angeboten wird.
Die Arbeit wird von einem kleinen, klar strukturierten Team getragen: einer Projektleitung, die für Strategie, Koordination und Qualitätssicherung verantwortlich ist; einer Stellvertretung, die Leitungsaufgaben mitträgt und bei Bedarf einspringt; sowie einer Projektassistenz. Alle drei arbeiten direkt mit den Betroffenen und beraten sowie unterstützen sie – von ersten Anzeichen einer drohenden Verschleppung über Krisenintervention und Sicherheitsplanung bis hin zu allen Schritten des Rückkehrprozesses. Darüber hinaus halten sie österreichweit Vorträge, Schulungen und Workshops.
Verschleppung, Zwangsheirat und familiäre Gewalt sind klare Menschenrechtsverletzungen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft oder Status. Indem Betroffene ihre Rechte kennenlernen und über verfügbare Unterstützungsangebote informiert werden, können sie ihre Handlungsfähigkeit zurückgewinnen und dazu beitragen, eine Kultur zu fördern, in der Gewalt frühzeitig erkannt wird. Die Wirkung der Arbeit wird anhand von Berichten, Beratungen, Rückführungen und der Nachfrage nach Schulungen erfasst sowie durch qualitatives Feedback von Fachkräften und Betroffenen
Dieses Modell richtet sich in erster Linie an Personen in Österreich mit gültigem Aufenthalts- oder Asylstatus sowie an österreichische Staatsangehörige, die gegen ihren Willen ins Ausland verschleppt wurden. Es ist fest in den österreichischen Strukturen verankert. Sein koordinierter Ansatz, seine internationale Vernetzung und seine länderspezifische Expertise bieten jedoch einen Rahmen, der übertragen und angepasst werden kann, um den Opferschutz in anderen nationalen Kontexten weltweit zu stärken.